Die Weiterentwicklung des Kinotons aus dem Hause Dolby tritt mit 5 vollwertigen Kanälen (Front-Links, Front-Center, Front-Rechts, Surround-Links und Surround-Rechts), allesamt mit vollem Frequenzumfang plus einem eigenen Subwoofer-Kanal für extrem tiefe Töne an. Dieses Verfahren wird als Dolby Digital 5.1 bezeichnet. Um Platz für die 6 Kanäle zu schaffen, mußte das Signal einer Datenreduktion unterzogen werden. Im Heimkino wie im herkömmlichen Kino liegt der Bitstream bei 384 kBit/s (zum Vergleich: Eine CD mit einer nicht datenreduzierten Stereo-Tonspur benötigt 1.4 MBit/s). Allerdings kann Dolby Digital auch als 1.0 (Mono), 2.0 (herkömmliches Dolby Surround mit Matrix-Codierung), 4.0 (herkömmliches Dolby Surround, jedoch alle 4 Kanäle getrennt aufgezeichnet) und 5.0 (Dolby Digital ohne zusätzlichen Subwoofer-Kanal) eingesetzt werden. In Deutschland hat Dolby Digital erst mit der Einführung der DVD (Digital Versataile Disc) seinen Siegeszug angetreten, das allerdings mit einigen gewaltigen Hürden. Da war zum einen das Haus PHILIPS, das den europäischen DVD-Standard mit dem, aus den eigenen Reihen entwickelten, MPEG-2 Audio versehen wollte. Man blockierte alles, was machbar war und drohte der ersten DVD-Veröffentlichung (12 MONKEYS; mit Unterstützung der Zeitschrift ´video´) sogar mit rechtlichen Schritten, da dort nur Dolby Digital aufgezeichnet war. PHILIPS hatte nur übersehen, rechtzeitig entsprechende MPEG-2-Encoder bereitzustellen und war auch nicht bereit, seine Gebühren für die Umwandlung der Filme nach MPEG-2-Audio zu reduzieren, sodaß sich die großen Hollywood-Studios dann mit der Normierung für Europa auseinandersetzten und Dolby Digital als Standard festgeschrieben wurde. MPEG-2-Audio ist heute vernachlässigbar gering im Markt vertreten und wird wohl nie zum Durchbruch gelangen. Zum anderen sind bzw. waren die Softwareanbieter verunsichert; DVD´s kommen immer erst viel später in den Handel als beispielsweise die VHS-Cassetten. So kann sich das Medium nicht so recht durchsetzen; auch der Preis ist noch viel zu hoch. Nur einige wagemutige Anbieter schaffen es, den Cineasten mit Special-Editions und Bonus-Material vom Kauf der DVD zu überzeugen. Die Zukunft wird zeigen, ob sich dieses Medium durchsetzt und damit auch Dolby Digital in Deutschland eine Bedeutung spielen wird. Auf anderen Medien, wie z.B. der LaserDisc ist wegen der europäischen PAL-Fernsehnorm nicht genügend Platz für weitere Tonspuren. Anders war die Entwicklung in Amerika. Man war zwar im Kinobereich nur zweiter Sieger - hier war dts mit JURASSIC PARK der Vorreiter des digitalen Mehrkanaltons -, konnte aber im Heimkinobereich bereits 1995 mit der Veröffentlichung des Titels CLEAR AND PRESENT DANGER (zu deutsch: DAS KARTELL) mit Harrison Ford in der Hauptrolle die erste LaserDisc mit Dolby Digital 5.1 anbieten. Dabei war es von Vorteil, daß US-Discs mit 4 Tonspuren ausgestattet waren; 2 digitale Spuren für den herkömmlichen Dolby Surround Sound und 2 analoge, dem Bild aufmodulierte Tonspuren, die bis dahin fast nur für die Nutzung eines zusätzlichen Audio-Kommentars genutzt wurden. Da Audio-Kommentare meist nur in Mono waren, entschloß man sich, die rechte Analogspur mit dem digitalen Bitstream zu versehen. Nachteil war, daß die Ausgabe nur über einen entsprechenden RF-Ausgang möglich war, nicht über herkömmliche Digital-Ausgänge. Auch die Verstärker mußten mit dem RF-Signal beliefert werden und erforderten daher auch einen RF-Eingang. Dies setzte sich aber als Standard durch und somit sind heutzutage fast alle LaserDisc-Veröffentlichungen mit Dolby Digital Ton verfügbar. Als weiterer Vorteil erwies sich, daß auch bei der DVD Dolby Digital als Standard festgelegt worden ist. Und zum Schluß wurde auch für digitale TV-Übertragungen die Ton-Norm von Dolby festgeschrieben. Alles in allem führte zu einer raschen Akzeptanz und einer hohen Absatzquote für die Hardware. Durch die Tatsache, daß auch die Software-Anbieter mit Neuveröffentlichungen vor den VHS-Cassetten nicht geizen, bleibt wohl nur festzuhalten, daß Amerika wieder der Wunschtraum eines jeden Heimkino-Fans bleiben wird. In Deutschland könnte wohl jetzt auch noch Pro Sieben mit seiner Ankündigung, Dolby Digital im Fernsehen als Ton anzubieten, für eine Überraschung sorgen. Ab der Funkausstellung 1999 in Berlin sollen entsprechende Set-Top-Boxen mit Digital-Ausgängen für Dolby verfügbar sein; der erste Film soll für einen Zeitraum nach der IFA angesetzt werden. Und als weiteren Bonus will der Sender sogar einen eigenen Trailerkanal einrichten, in dem für kommende Ausstrahlungen geworben wird. Nach Senderangaben wäre man damit der erste TV-Anbieter in Europa, der das von Dolby eingeführte Mehrkanaltonsystem einsetzen wird.  

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